Wie in alten Zeiten ...

Was für ein Anblick! Man sah sie schon von weitem. Hinter dem abgemähten Getreidefeld waren sie aufgereiht, schön ordentlich einer neben dem andern, auf dem Parkplatz beim Gyrisbergschulhaus: Zwölf liebevoll hergerichtete, bunte und einfachere, messingverzierte und blumengeschmückte Handdruckspritzenwagen, der älteste aus dem 18. Jahrhundert. Man fühlte sich sogleich in eine andere Welt versetzt.
Das Gefühl, sich plötzlich in der Vergangenheit zu befinden, verstärkte sich, als man auf dem wettkampfmässig vorbereiteten Sportplatz die Feuerwehrmannen und -frauen sah. Da gab es Teams in braunen Halbleinenhosen und Schwingerhemden und zum Teil mit hübschen Zipfelmützen, dann aber solche in schmucken schwarz-grauen Uniformen mit imposantem, messingkammverziertem Helm, und natürlich wurden in den gar nicht immer so guten alten Zeiten schwere Schuhe getragen beim Feuerlöschen, zum Beispiel Holzböden und unüberhörbare Nagelschuhe.

Der 12. Emmentaler Handdruckspritzen-Wettbewerb
Sie alle waren gekommen, 12 Teams, um an diesem Wettbewerb teilzunehmen, der in diesem Jahr in Jegenstorf ausgetragen wurde, organisiert von den beiden Feuerwehrvereinen Region Jegenstorf und Regio Fraubrunnen.

Markus Habegger, Feuerwehrkommandant von Fraubrunnen, stand vor einem nostalgischen Toilettenhäuschen mit herzförmiger Öffnung und erklärte den aufmerksam lauschenden Wettkampfteilnehmenden den Ablauf.

Präzision, Geschicklichkeit und Muskelkraft
Es galt, mit dem Wasserstrahl eine möglichst grosse Weite zu erreichen und danach einen nicht allzu starken Wasserstrahl genau in die oben erwähnte Herzchenöffnung im WC-Häuschen zu leiten, so dass sich ein darin aufgestellter Eimer maximal füllte. Klingt wesentlich einfacher als es ist.
Jedenfalls gaben die Männer und Frauen beim Pumpen ihr Bestes, kraftvoll, aber diszipliniert und koordiniert mit ihrer ganzen Muskelkraft den Balken auf und ab zu bewegen. Manchmal musste auch der Wind einbezogen werden, der den Strahl ablenkte.

Spass und Spiel
Eine etwas weniger feuerwehrlastige, aber auch sie eine anspruchsvolle Geschicklichkeitsübung wurde oben auf dem Schulhausplatz ausgetragen. Es war der Teil „Spass und Spiel“, dessen Resultate ebenfalls in den Wettkampf einflossen. Mehrere Wasserbecher auf einer Holzlatte waren möglichst ohne Wasserverlust zu transportieren und Stiefel mussten ins Ziel geworfen werden.

Altertümlich und modern
OK-Präsident Rolf Bernhard kam in seiner Begrüssungsrede auf Gegensätze und Synergien zu sprechen.
Zu sehen, mit welchem Aufwand und mit was für bescheidenen Mitteln früher Feuer bekämpft wurden und sich dadurch bewusst zu werden, wie viel wirkungsvoller in der heutigen digitalen Welt gegen Brände vorgegangen werden kann, gab wertvolle Denkanstösse. Schön auch, wie die Feuerwehrvereine der beiden Gemeinden Fraubrunnen und Jegenstorf die Veranstaltung gemeinsam organisierten und durchführten.
Nach der mit grosser Spannung erwarteten Rangverkündigung kam der OK-Präsident nochmals auf die Gegensätze zu sprechen. Der Wettkampf war mit altertümlichen Geräten ausgetragen und gleichzeitig mit modernen digitalen Mitteln auf die Leinwand im Zelt übertragen worden, und zudem erhielt jedes Team den Film anschliessend geschenkt, zusammen mit einem Bild, das von einem Profi natürlich mit digitaler Kamera aufgenommen worden war.

Markus Habegger und Rolf Bernhard dankten allen, die in irgendeiner Weise dazu beigetragen hatten, dass der 12. Handdruckspritzen-Wettbewerb in Jegenstorf zu einem vollen Erfolg geworden ist.

Der Wettkampf findet alle Jahre statt, und es wird immer schwieriger, Vereine zu finden, die den grossen Aufwand auf sich nehmen. Zur grossen Freude aller Anwesenden erklärte sich der Feuerwehrverein Wyssachen bereit, diese Aufgabe zu übernehmen, was mit grossem Applaus verdankt wurde. 

Sue Siegenthaler